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Arbeitsmedizin

 

Die Arbeitsmedizin

 
Das Fachgebiet Arbeitsmedizin im Rahmen einer Internetrepräsentanz zu definieren, würde sicherlich spätestens seit Guttenplug-wiki zu Urheberrechtsdiskussionen ohne Ende führen. Da hier kein Vorsatz für die Herausgabe eines neuen Standards besteht und unsere Besucher hoffentlich mit etwas Weniger als einer akademisch zitierfähigen Definition zufrieden sind, meinen wir:
Die Arbeitsmedizin ist ein medizinisches Fachgebiet, welches sich mit der Erforschung, Prävention und Behandlung gesundheitlicher Gegebenheiten und mit den gesundheitlichen Problemen in Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit beschäftigt. Es umfasst daher alle ärztlichen Arbeitsgebiete von Allgemeinmedizinischen über Internistische Probleme zu Kenntnissen der Ophthalmologie, Oto- Rhino- Laryngologie, Orthopädie, Dermatologie zu Neurologie und Psychiatrie. Von Labormedizin, Hygiene und Umweltmedizin bis hin zu soziologischen, sozialrechtlichen und psychologischen Fragestellungen wird Ihr Betriebsarzt ein sachkundiger Berater sein müssen. Entgegen einer weit verbreiteten Irrmeinung ist Arbeitsmedizin kein kleines medizinisches Nebenfach und kein Fach für Aussteiger aus der klinischen Medizin. In Deutschland wird das Fachgebiet Arbeitsmedizin von zahlreichen Rechtsvorschriften benannt und ist im Rahmen der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten ein belegpflichtiges Fach. Historisch begründet gibt es zwei Gruppen von Ärztinnen und Ärzten, die sich mit diesem Fachgebiet befassen. Zum einen Fachärztinnen und Fachärzte für Arbeitsmedizin (in einigen Kammerbereichen als Ärzte und Ärztinnen für Arbeitsmedizin bezeichnet) und zum anderen Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin. Letztere Ausbildung ist im Vergleich zur Facharztausbildung etwas verkürzt und sollte an das Vorbestehen einer anderen Facharztanerkennung gekoppelt sein. In der Praxis macht es aber kaum einen Unterschied zwischen Fachärzten und Ärzten mit Zusatzbezeichnung und auch das Vorbestehen einer anderen Facharztbezeichnung ist nicht in allen Kammerbreichen vonnöten.


Der Betriebsarzt

 
In der Praxis unterscheidet man besser zwischen drei Gruppen von Arbeitsmedizinern die manchmal auch gruppenübergreifend tätig sind.

Die erste Gruppe sind die festangestellten Betriebsärzte und Arbeitsmediziner der großen Industrieunternehmen, der Verwaltungen der gewerbeärztlichen Dienste und der wissenschaftlichen Institute. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, wenn Kolleginnen und Kollegen aus dieser Gruppe im Nebenberuf als Betriebsärzte am freien Markt tätig sind, solange kein Interessenkonflikt mit dem Hauptarbeitgeber besteht.

Eine zweite Gruppe der Betriebsärzte arbeitet bei sogenanntem Systemdienstleistern. Diese Unternehmen versorgen den Markt der arbeitsmedizinischen Dienstleitungen mit marktwirtschaftlich profitorientierten Angeboten für alle denkbaren Bereiche des technischen, organisatorischen und medizinischen Arbeitsschutzes. Das Kerngeschäft der Systemdienstleister besteht zum einen in der Betreuung überregionaler Betriebe und Verwaltungen sowie von Behörden und betrieblichen Strukturen, welche eine Bestellung mehrerer dezentraler externer Betriebsärzte sinnvoll erscheinen lassen und zum anderen in der Wahrnehmung von Betreuungsaufgaben im Rahmen besonderer Betreuungsmodelle der gesetzlichen Unfallversicherer. Reine markthegemoniale, zum Teil nichtärztliche Herangehensweisen führen einerseits oft zu hoher Frustration bei den Betreuten und zum anderen zu einer Verzerrung des Wettbewerbs dahingehend, dass die betriebswirtschaftlich wichtige Verfügbarkeit einer kritischen Startmasse im Sinne betreuungsintensiver mittelständischer Unternehmen als Basis für die Gründung einer Praxis der dritten Gruppe dem Markt entzogen wird. Politisch ist es hochinteressant zu beobachten, wie eine gesetzlich vorgeschriebene (arbeits-)medizinische Pflichtbetreuung, vergleichbar der kassenärztlichen Betreuung der Bevölkerung nach Bedarfsplanungs- und Versorgungsmodellen, zu einem Spielball von Angebot und Nachfrage wird und wie sich die Akteure der Aufsichtsgremien hierbei verhalten.

Die dritte Gruppe von Betriebsärzten arbeitet selbständig oder in kleinen Sozietäten für mittelständische und kleinere Betreibe. Teilweise wird die Arbeitsmedizin neben einer Kassenarztpraxis angeboten. Nahezu alle Kollegen dieser Gruppe haben einschlägige Erfahrungen mit den Systemdienstleistern. Beim Suchen unserer Website wird jeder Leser über die Homepages der „Wettbewerber“ gestolpert sein, hoffentlich ist niemand (herein-)gefallen. Eine sehr geschätzte Kollegin an der bayrischen Akademie für Arbeitsmedizin pflegte auszudrücken, dass es so viele Varianten der Arbeitsmedizin gibt, wie es Betriebsärzte gäbe. Wir meinen: So individuell wie Ihr Hausarzt zu Ihnen passt, so passt ein Betriebsarzt zu Ihrem Betrieb oder manchmal auch nicht.